Und die Transparenz?

Und die Transparenz?

Ein Thema bewegt aktuell viele Instagrammer: Das Kennzeichnen von Werbung. Warum schlägt das Thema so hohe Wellen? Nun, das liegt vor allem am Verband Sozialer Wettbewerb, der momentan vermehrt Instagram-Nutzer abmahnt.

In einem ganz konkreten Fall hatte eine Bloggerin ein Bild von sich gepostet und Marken sowie Online-Shops markiert – ohne den Post als Werbung zu kennzeichnen. Der Verband Sozialer Wettbewerb schickte der Bloggerin eine Abmahnung. Sie argumentierte, dass sie den Post nicht als Werbung gekennzeichnet habe, weil sie von den jeweiligen Firmen nicht bezahlt wurde. Alle bezahlten Partnerschaften kennzeichne sie als Werbung.

Der Fall wanderte vor das Gericht. Und da passierte etwas für die meisten – inklusive mich – Unerwartetes: Das Gericht gab dem Verband Sozialer Wettbewerb recht.

Die Konsequenz für jeden Blogger, der Instagram gewerblich nutzt, ist weitreichend. Egal ob ich eine Person markiere, ein Produkt aus Überzeugung vorstelle oder ein Post aus einer bezahlten Partnerschaft entsteht – das alles muss als Werbung gekennzeichnet werden, wenn man auf der sicheren Seite sein möchte. So der noch unsichere Stand der Rechtslage heute.

Ich persönlich finde das schade. Und zwar aus zwei Gründen:

1.) In meinen Augen geht durch diese flächendeckende Werbe-Kennzeichnen die Transparenz flöten. Bisher war klar: Bezahlte Partnerschaften sind durch ein „Werbung“ zu kennzeichnen. Der Nutzer wusste sofort, was Sache ist. Das finde ich nicht nur fair und richtig, sondern vor allem auch wichtig.

Markiere ich alle Beiträge als „Werbung“, auf denen ein Produkt zu sehen ist – egal ob selbst gekauft oder gesponsert – oder ein Freund markiert ist, wie soll der Nutzer bezahlte Partnerschaften erkennen können? Wo bleibt da die Transparenz? Meine Meinung ist, dass die Transparenz dabei auf der Strecke bleibt…

Letztlich schränkt diese Regelung natürlich auch die eigene Kreativität ein. Denn shoote ich in meiner Wohnung ist zwangsläufig auch mal mein TV, mein Sofa oder meine Küche im Bild. Der ein oder andere erkennt sofort die Marke dahinter. Habe ich jetzt Werbung gemacht? Ein Stück Unsicherheit bleibt…

2.) Der zweite Grund, warum ich das Urteil schade finde: Es wird aktuell nicht zwischen „Vollzeit-Influencern“ und „Teilzeit-Influencern“ unterschieden. Es gibt da draußen Menschen, die leben davon, Instagram-Bilder zu posten und YouTube-Videos hochzuladen. Und es gibt Menschen wie mich, die 40 Stunden pro Woche in einem klassischen Job arbeiten und diesen Job auch niemals aufgeben würden. Instagram ist mein Hobby, durch die Gewerbeanmeldung ein Nebenjob. Nicht mehr, nicht weniger.

In meinen Augen ist die sogenannte Gewinnerzielungsabsicht von Vollzeit-Influencern natürlich eine andere als meine. Ich bin nicht auf die Kooperationen angewiesen, meinen Lebensunterhalt verdiene ich mir mit meinem Job. Dass es diesen kleinen, aber feinen Unterschied gibt, scheint aber die Richter aktuell nicht zu interessieren. Schade.

Die Richter scheinen, so weit ich das mitbekommen habe, auch davon auszugehen, dass ein „Influencer“ (Ab wann ist man eigentlich Influencer?) auch grundsätzlich gar nicht seine freie Meinung äußern will, sondern sobald er den Mund aufmacht Werbung für ein Produkt oder ein Unternehmen macht.

Traurig, denn gerade auf Instagram schätze ich den offenen und guten Austausch so sehr. Man hat eine Frage oder ein Problem, man fragt in die Runde und bekommt viele nützliche Tipps oder aufmunternde Worte. Ich berichte nicht aus Koa und meinem Alltag, weil ich permanent Euro-Zeichen in den Augen habe. Im Gegenteil. Ich gehe in den direkten Austausch, weil es mir Spaß macht. Und zwar viel. Doch der Spaß wird einem langsam Schritt für Schritt genommen…

Wie geht es also weiter? Ihr werdet vor allem auf Instagram nun öfter das Wörtchen „Werbung“ in meinen Posts sehen. Denn ich möchte rechtlich auf der sicheren Seite stehen und nicht in der Abmahnwelle mitschwimmen müssen. Mir ist und bleibt Transparenz aber wichtig, deshalb werde ich wie folgt kennzeichnen:

/ Werbung /      
Bei bezahlten Partnerschaften. In der Regel werden mir Produkte zum Testen kostenlos zur Verfügung gestellt. Blogbeiträge und Posts, die aus solchen Kooperationen entstanden sind, sind nach wie vor so gekennzeichnet.

/ Werbung / da Markennennung /  
Berichte ich euch von einem Produkt, das mich überzeugt hat, ich aber selbst gekauft habe, kennzeichne ich den Beitrag so. Zur Sicherheit kennzeichne ich auch Beiträge so, auf denen eine Marke klar erkennbar ist, auch wenn ich nichts darüber berichte.

/ Werbung / da Markierung /  
Immer dann, wenn ich beispielsweise einen lieben Freund in einem Bild markiere, werde ich das künftig kennzeichnen.

Ich kann euch sagen, das kostet alles Nerven. Erst die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die viel abverlangt hat und letztlich ja auch für den zeit- und kraftraubenden Umzug des Blogs geführt hat. Jetzt die überraschenden ersten Urteile zur Werbe-Kennzeichnung oder auch der neue Upload-Filter von YouTube. Ich fühle mich erschlagen, müde, machtlos. Und es fühlt sich ein bisschen so an, als steuern wir langsam aber sicher in die digitale Steinzeit.

Aber vielleicht wird alles heißer gekocht als gegessen, wie es so schön heißt. Warten wir also ab, was die nächsten Wochen und Urteile so bringen mögen. Ich lasse mir den Spaß am Blog und an Instagram nicht nehmen. Und ihr euch hoffentlich auch nicht.

Ürbigens: Ich bin kein Anwalt und dieser Artikel ist keine Rechtsberatung. Ich musste mir nur viele Gedanken von der Seele schreiben und meinen persönlichen Lösungsweg mit euch teilen. Ob der rechtssicher ist, wird sich erst noch zeigen…

Viele Grüße
Maike & Koa

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