Kralle abgerissen – und nu?

In den letzten Wochen hatten wir eine Strähne. Eine Pechsträhne. Innerhalb kurzer Zeit hat sich Koa nacheinander zwei Krallen abgerissen. Man könnte also sagen, wir entwickeln uns langsam aber sicher – und unfreiwillig – zu Experten in Sachen abgerissene Kralle…

Via Instagram haben mich immer wieder Fragen erreicht, als Koa beispielsweise mit Verband durch die Gegend humpelte. Deshalb gibt es heute einen Blogbeitrag, in dem ich all diese Fragen beantworte – und damit vielleicht dem ein oder anderen Mensch-Hund-Team mit dem gleichen Problem helfen kann.

Ein Hinweis: Im Verlauf des Artikels folgen auch Bilder von einer abgerissenen Kralle. Wer das nicht sehen möchte oder kann, sollte den Artikel besser nicht weiterlesen 😉

Alles in allem hat sich Koa schon drei Krallen abgerissen. Beim ersten „Zwischenfall“ war sie etwa 1,5 Jahre alt – und ich habe nichts davon mitbekommen. Nach unserer Mittagsrunde saß ich damals im Arbeitszimmer und dachte auf einmal: „Was liegt da denn jetzt für Dreck auf dem Boden, ich hab’ doch gerade erst geputzt.“ Als ich den Dreck aufheben wollte, habe ich bemerkt, dass es eine Krallenspitze war… Ich also direkt alle Pfoten abgesucht. Die abgerissene Kralle gehörte zu einer Hinterpfote. Kein Blut, kein Schmerzempfinden.

Ich bin damals trotzdem zum Arzt, weil ich so eine Situation einfach selbst noch nicht erlebt hatte. Natürlich war unser Tierarzt damals in Urlaub… Der Vertretungsarzt war aber super nett und erklärte mir, dass sie die Kralle sauber abgerissen hatte und die Kralle innerhalb kurzer Zeit nachwächst.

Danach war lange Ruhe…

Anfang April 2018 begann dann unsere Pechsträhne. Koa war kurz in einem Fluß etwas trinken. Im  Nachhinein vermute ich, dass eine Glasscherbe im Wasser war. Sicher bin ich mir aber natürlich nicht. Koa kam auf jeden Fall aus dem Wasser und alles war voller Blut – die Vorderbeine, Bauch und die Hinterbeine. Schnell habe ich herausgefunden, was die Quelle war: eine eingerissene Kralle.

Kralle eingerissen: ungünstig

Genau, eine eingerissene Kralle. Denn die Kralle war nicht komplett abgerissen, sondern nur der untere Teil fehlte. Mist. Natürlich passierte das Samstagmorgen. Da Koa nicht humpelte und keine Schmerzen zu haben schien, wollte ich erst noch abwarten, bevor es zum Tierarzt geht. Sonntagabend fing Koa dann an zu humpeln. Da war klar: Montagmorgen geht es direkt zum Tierarzt.

Und tatsächlich: Koa hatte sich die Kralle ganz ungünstig eingerissen. Die Kralle saß noch komplett fest, musste aber auf jeden Fall runter, damit sie gesund wieder wachsen kann. Koa bekam eine Creme auf die Kralle und einen dicken Verband, damit sie keine Schmerzen mehr hat und sich die Kralle gegebenenfalls von alleine lockert.

Kralle abgerissen - und nu?

Donnerstags stand Verbandwechsel auf dem Programm. Die Kralle war immer noch fest. Also neuer Verband und Termin für den kommenden Montag vereinbart. Es gab zwei Optionen:

  1. die Kralle lockert sich von alleine bis Montag oder
  2. die Kralle sitzt immer noch fest und muss unter Narkose gezogen werden.

Ihr könnt es euch denken: Auf Option b) hatte ich so gar keine Lust. Der Tierarzt machte einen weniger dicken Verband für Humpelstilzchen und wir warteten auf Montag. Zum Glück hatte sich die Kralle bis dahin gelockert und konnte vom Tierarzt ohne Narkose gezogen werden.

Koa bekam noch einmal einen Verband, den sie allerdings am Folgetag direkt verlor. Also wieder zum Tierarzt. Zum Glück war die Kralle einen Tag später aber schon so gut verheilt, dass Koa keinen Verband mehr brauchte. Jetzt hieß es nur noch ein paar Tage Schonprogramm und kein Plantschen im Wasser und schon war das Thema ausgestanden.

Übrigens habe ich seit dieser Aktion einen Alaunstift** wie diesen hier im Erste-Hilfe-Kasten. Der Alaunstift hilft dabei, Blutungen an der Kralle zu stoppen.

Kralle abgerissen: günstiger

Mitte Mai, also nur wenige Wochen nach unserem blutigen Erlebnis, kam mir Koa plötzlich humpelnd im Weinberg entgegen. Ich dachte direkt: Oh nein! Und tatsächlich: Wieder war eine Kralle ab, dieses Mal an der linken statt an der rechten Pfote. Die Kralle hing sozusagen noch am seidenen Faden. Ich habe noch während des Spaziergangs beim Tierarzt angerufen, Termin für den nächsten Morgen. Zurück Zuhause konnte ich die Kralle selbst entfernen.

Das Krallenbein lag frei. Eine ganz neue Situation für mich. Ich habe die Kralle desinfiziert und trocken und sauber gehalten. Koa hatte zum Glück keine Schmerzen und war entspannt.

Beim Tierarzt dann die Entwarnung: Kein Verband dieses Mal, Koa hatte sich die Kralle „günstig“ abgerissen. Die Kralle sollte jetzt an der Luft heilen. Wichtig im Heilprozess war allerdings, dass die Kralle nicht mit Wasser in Berührung kommt und Koa auf keinen Fall schleckt. Außerdem sollten wir wildere Spiele und Ballspiele – also alles, wo der Hund auch mal abrupt stoppt – für ein paar Tage vermeiden.

Um den Hund vom Schlecken abzuhalten, gibt es einen einfachen Tipp. Ihr braucht eine Socke – super geeignet sind zum Beispiel Baby- oder Sneaker-Socken – und selbsthaftende Bandagen**. Socke über die Pfote und mit der Bandage fixieren. So lange ich in der Nähe bin, schleckt Koa nicht. Aber nachts und wenn ich sie kurz alleine lassen musste, kam die Socke drüber. Hat super funktioniert!

Was mich tatsächlich etwas fasziniert hat war, wie schnell die Kralle nachgewachsen ist. Hier der Prozess in Bildern. Das erste Bild ist an dem Tag entstanden, als Koa sich die Kralle abgerissen hat. Das war der 17. Mai. Das zweite Bild entstand zwei Tage später. Am 5. Juni war die Kralle schon wieder fast vollständig nachgewachsen.

Kralle abgerissen - und nu?

Ich hoffe, dass wir jetzt erstmal ein wenig Ruhe haben und sich Koa so schnell keine Kralle mehr einreisst. Ich kann aber nur empfehlen, auch den Tierarzt kurz drüber schauen zu lassen, wenn sich der Hund eine Kralle abgerissen hat. Allein schon, damit der Tierarzt etwas gegen die Schmerzen tun kann, sollte der Hund Schmerzen haben. Und schlimmere Verletzungen ausschließen kann.

Sind eure Hunde auch solche Krallen-Profis?

Viele Grüße
Maike & Koa

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8 Kommentare bei „Kralle abgerissen – und nu?“

  1. Hallo! Bei Hanni gab es mit den Krallen noch nie Probleme, danke aber für die tollen Infos und die Fotos.
    Lieben Gruß,
    Jule

    1. Liebe Jule,
      die Hunde, mit denen ich aufgewachsen bin, hatten zum Glück auch nie Probleme mit den Krallen. Drück euch die Daumen, dass das bei euch so bleibt, ist wirklich ein nerviges Thema…
      Viele Grüße
      Maike

  2. Hallo!
    Freya hat es im März auch geschafft sich eine Kralle auszureissen, mit gerade mal 3 Monaten. Ich hab total Panik bekommen, weil sie ausgerutscht und über eine kleine Mauer gefallen ist. Sie hat sich geschüttelt, ist wieder rauf gehüpft, hat in den Schnee gepinkelt und alles war rot vom Blut. Dachte schon das Blut käme aus der Blase. Da war ich dann froh als ich die halb abgerissene Kralle gesehen hab. Wurde beim TA gezogen und gehumpelt ist sie erst mit Verband. Nur den Verband trocken halten war schwierig. Es hat getaut und sie musste da noch alle zwei Stunden raus…
    Hoffentlich ist eure Pechsträhne wieder vorbei 🙂
    Liebe Grüße,
    Julia mit Odin und Freya

    1. Hallo Julia,
      oh ja, das viele Blut erschreckt einen schon erst mal ganz schön. Dadurch, dass Koa nass war, war das Blut bei uns ja auch wirklich überall. Da ist man schon erleichtert, wenn man merkt, dass es „nur“ die Kralle ist…
      Ich drück Freya und dir fest die Daumen, dass er bei der einen abgerissenen Kralle bleibt!
      Viele Grüße
      Maike

  3. Hallo 🙂

    Oha, dann hättet ihr ja noch Glück im Unglück, dass es wenigstens mit der Witterung bei euch gepasst hat. Meine Hündin hat sich diesbezüglich Februar ne kralle abgebrochen, als der Wintereinbruch in Hamburg Anstand. Der Versuch, die Vorderpfote trocken und sauber durch Schnee-Matsch-Streusalz zu bringen, hat uns dann mit Panzertape und später mit Hundeschuhen experimentieren lassen.
    Jetzt jedenfalls ist die Kralle auch wieder nachgewachsen 🙂
    Viele Grüße aus Hamburg,
    Nami und Personal

    1. Hallo Hamburg 🙂
      na ja, leider hatten wir auch nicht so richtig viel Glück mit dem Wetter. Als Koa den dicken Verband hatte, hat es bei uns fast jeden Tag geregnet. Ein Drama. Wir sind der Lage mit einem Gefrierbeutel und einem Hundeschuh Herr geworden. Spaß hat das aber weder Koa noch mir gemacht 😉
      Und mich erstaunt echt, wie unglaublich schnell die Krallen wieder nachwachsen! Ein Glück!
      Viele Grüße aus der Pfalz
      Maike

  4. aleksandra horvat sagt: Antworten

    Ja. In einigen Monaten 2 Mal. 1.) Operation, Verband, Antibiotika. (Abgerissen). 2.) Nur Verband und Injektionen gegen Schmerzen u. Antibiotika (Ausgerissen). Artikel ist perfekt.

    MfG.

    Aleks.

    1. Oh je, euch hat es ja auch ordentlich gebeutelt. Noch so ein Krallen-Pechvogel wie Koa. Ich hoffe, eure Pechsträhne hat jetzt mal ein Ende!
      Viele Grüße
      Maike

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